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Planung & Maße

Wie tief sollte ein Kleiderschrank sein?

Kurzantwort: Für einen klassischen Kleiderschrank mit Kleidung auf quer angeordneten Bügeln sind rund 60 cm Außentiefe ein sehr brauchbarer Ausgangspunkt. Entscheidend ist aber die lichte Innentiefe. Rückwand, Front und Beschläge brauchen selbst Platz.
Kleiderschrank nach Maß mit Drehtüren

Warum etwa 60 cm so oft sinnvoll sind

Die Tiefe ergibt sich aus dem, was im Schrank funktionieren soll. Bei Hemden, Jacken und Sakkos muss der Bügel samt Kleidungsstück ausreichend Raum zwischen Rückwand und Front bekommen. Deshalb ist eine Außentiefe um 60 cm bei klassischen Kleiderschränken ein bewährter Planungsbereich. Für reine Fachböden kann ein Möbel deutlich flacher sein.

Außentiefe ist nicht nutzbare Innentiefe

Ein Schrank mit 60 cm Außenmaß bietet innen nicht automatisch 60 cm Platz. Konstruktion, Rückwand, Frontsystem und Montagesituation reduzieren den nutzbaren Raum.

BauteilWas bei der Planung zählt
RückwandAufbau und Wandabstand reduzieren je nach Konstruktion die nutzbare Tiefe.
DrehtürKleidung und Innenauszüge dürfen beim Schließen nicht mit der Front kollidieren.
SchiebetürLaufschienen und voreinander laufende Fronten brauchen einen eigenen Bereich vor dem Innenraum.
InnenauszügeHosenhalter, Körbe und andere Beschläge besitzen konkrete Einbaumaße.

Nicht nur den leeren Kleiderbügel messen

Ein häufiger Fehler ist, nur die Breite eines leeren Bügels zu betrachten. Eine Winterjacke oder ein Sakko steht seitlich über und braucht mehr Raum. Ein einfacher Praxistest ist deshalb oft hilfreicher als eine einzelne Tabellenzahl: Einen typischen Bügel mit einem der voluminöseren Kleidungsstücke so anhalten, wie er später tatsächlich hängt.

Beschläge zeigen, warum lichte Maße wichtig sind

Technische Daten realer Beschläge machen den Unterschied gut sichtbar. Hettich bietet Kleiderbügel Auszüge für unterschiedliche lichte Korpustiefen an. Ein aktueller ausziehbarer Hosenhalter benötigt laut Hersteller beispielsweise mindestens 510 mm lichte Korpustiefe. Solche Angaben beziehen sich auf den tatsächlich verfügbaren Innenraum und nicht einfach auf das Außenmaß des Möbels.

Praxisregel

Nicht zuerst fragen, wie tief der Schrank werden soll. Zuerst festlegen, was hinein soll und welche Innenausstattung dafür tatsächlich Platz braucht.

Reichen 50 cm?

Für gefaltete Kleidung, Wäsche oder Schuhe können 50 cm bereits komfortabel sein. Für quer aufgehängte Kleidung wird es je nach Konstruktion knapp. Wenn der Raum keine größere Tiefe zulässt, können spezielle ausziehbare Bügelhalter oder eine andere Anordnung der Kleidung sinnvoller sein.

Schiebetüren früh mitplanen

Bei einem Schiebetürenschrank sitzt das Türsystem vor dem Stauraum. Dadurch kann ein äußerlich tiefer Schrank innen weniger Platz bieten als erwartet. Das konkrete System sollte deshalb feststehen, bevor Kleiderstange und Innenauszüge endgültig geplant werden.

Bei Nischen an mehreren Stellen messen

Wände sind nicht immer gerade. Deshalb Tiefe, Breite und Höhe an mehreren Stellen kontrollieren. Fußleisten, Steckdosen, Fensterbänke, Türzargen und Leitungen können die tatsächlich nutzbare Tiefe zusätzlich begrenzen. Ein Einbauschrank braucht außerdem Montagespiel und darf nicht einfach exakt auf das kleinste gemessene Nischenmaß gebaut werden.

Drei typische Planungsfälle

SituationSinnvolle Denkweise
Klassischer KleiderschrankRund 60 cm Außentiefe als Startwert und danach die lichte Tiefe kontrollieren.
Sehr schmale NischeInnenausstattung bewusst auf geringe Tiefe abstimmen statt eine normale Kleiderstange zu erzwingen.
SchiebetürenschrankZuerst Platzbedarf des Türsystems klären und danach den verbleibenden Innenraum planen.

Typische Fehler

Nur das Außenmaß betrachten: Beschläge benötigen lichte Innenmaße.

Nur einen leeren Bügel messen: Das Kleidungsstück braucht häufig mehr Raum.

Beschläge erst später auswählen: Auszüge und Kleiderlifte besitzen konkrete Einbaumaße.

Schiebetüren vergessen: Das Frontsystem reduziert den nutzbaren Innenraum.

Eine Nische nur einmal messen: Wandverläufe und Ecken können abweichen.

Ein guter Kleiderschrank wird von innen nach außen geplant

60 cm sind für viele Kleiderschränke ein guter Startwert, aber keine universelle Antwort. Erst Kleidung und Innenausstattung festlegen, dann die lichte Korpustiefe bestimmen und anschließend Korpus, Front und Einbausituation daraus entwickeln.

Kleiderbügel bestimmen die nutzbare Tiefe

Bei hängender Kleidung muss nicht nur der Korpus, sondern auch Bügel, Kleidung und Frontsystem zusammen betrachtet werden. Jacken und Sakkos benötigen mehr Bewegungsraum als dünne Hemden. Deshalb ist die lichte Innentiefe aussagekräftiger als ein einzelnes Außenmaß.

Türen und Innenausstattung zusammen denken

Schubladen, Innenauszüge und Kleiderstangen dürfen sich nicht gegenseitig behindern. Auch Griffe, Scharniere oder ein Schiebetürsystem benötigen Raum. Eine gute Planung prüft deshalb zuerst die Nutzung und leitet daraus die Konstruktion ab.

Technischer Gegencheck

Für konkrete Beschläge gelten immer die Einbaumaße des jeweiligen Herstellers. Für diesen Artikel wurden aktuelle technische Angaben von Hettich zur Schrankinnenausstattung gegengeprüft.

Fachlich eingeordnet von André Reinhardt

Praxiswissen aus dem Schreinerhandwerk. Richtwerte werden dort erklärt, wo Raum, Konstruktion oder Nutzung die passende Lösung verändern können.

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